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Zweisprachigkeit


Immersionsmethode
Der Schwerpunkt in unserem Kindergarten ist die bilinguale Entwicklungsbegleitung der Kinder mittels Immersion. Immersion meint das Eintauchen in eine Sprache, auch „Sprachbad“ genannt. Nach dem Prinzip „eine Person – eine Sprache“ sprechen die Erzieherinnen mit den Kindern nur deutsch, bzw. tschechisch. Der Spracherwerb durch die Immersionsmethode ist sehr erfolgreich, da er demselben Prinzip entspricht, wie die Kinder ihre Muttersprache von ihren Eltern erlernen. Die Sprachen werden den Kindern nicht durch Erklären der Grammatik oder schulisches Vokabelüben beigebracht, sondern einfach dadurch, dass das Kind seine Erzieherinnen oder andere Kinder in dieser Sprache reden hört. Die Bedeutung der Worte erschließt sich dem Kind dadurch, dass alle Handlungen von den Erzieherinnen mit Mimik und Gestik unterstützt werden. Alle Erzieherinnen die in unserem Team arbeiten sind Muttersprachlerinnen.


Sprachentwicklung bilingualer Kinder
Kinder lernen ihre Sprache unglaublich schnell. In den ersten fünf Jahren sind die meisten Kinder in der Lage ihre Muttersprache flüssig zu lernen, um ihre Gedanke in zielgerichteten Sätzen zu formulieren. Grundlage für die Sprachentwicklung nach  der Geburt ist das Hörverständnis. Kinder kommen mit einem Feingefühl für die Melodie und Intonation der gesprochenen Sprache zur Welt. Es muss nach der Geburt genügend Möglichkeiten bekommen, die gesprochene Sprache zu hören, um die verschiedenen Laute in einer oder mehreren Sprache zu unterscheiden. Das Aufwachsen in einer bilingualen Familie oder der Besuch einer bilingualen Einrichtung ermöglicht den Kindern die Sprachen ohne große Anstrengung zu lernen. Das frühe Lernen einer Sprache bei Kindern führt zu einer akzentfreien Aussprache.

Seit dem Jahr 2005 arbeiten wir im Kindergarten mit bilingualen Kindern. Auf der Basis unserer praktischen Erfahrungen und theoretischen Kenntnissen kann man die Sprachentwicklung eines bilingualen Kindes wie folgt beschreiben:

Das Kind im Alter von 18 Monaten verwendet isolierte Wörter, entwickelt sich eine lexikalische Grundlage, in welches es Wörter aus beiden oder mehreren Sprachen eingliedert. Der Wortschatz des Kindes beträgt circa 30-50 Wörter.

Das Kind im Alter von 2 Jahren erweitert seinen Wortschatz in beiden Sprachen, die Sprachen werden oft gemischt oder es benennt Dinge in beiden Sprachen. Das Kind benutzt einfache Regeln für beide Sprachen. In diesem Alter braucht das Kind neben den Eltern auch andere soziale Kontakte, um seine Sprachfähigkeiten weiter zu entwickeln. Der Besuch einer bilingualen Einrichtung vertieft und ergänzt die Sprachkenntnisse, die es durch die Eltern erworben hat. Das Kind weiterhin die Möglichkeit beide Sprachen in der Kommunikation mit den Erziehern und im Spiel mit anderen Kindern zu gebrauchen. Die Kinder unterscheiden sehr gut, in welcher Sprache jemand mit ihnen spricht.

Ein vierjähriges Kind unterscheidet schon sehr gut beide Sprachen und benutzt die richtige Grammatik. Das Kind erweitert kontinuierlich seinen Wortschatz in beiden Sprachen. In diesem Alter ist dem Kind bereits bewusst, dass es die Sprache braucht, um eventuell mit Freunden oder Großeltern zu kommunizieren. Es versteht, dass die Sprache für ihn ein Vorteil ist.
 
Die Sprachentwicklung verläuft bei jedem Kind individuell. Es wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst. Dazu gehört die einzigartige Persönlichkeit eines jeden Kindes, Einstellung der Eltern, Zeitraum der Spracheinwirkung.

Vorteile der Zweisprachigkeit
Die moderne Forschung legt überzeugend großen Wert auf den positiven Einfluss der Zweisprachigkeit auf einige kognitive Funktionen. Als wichtigsten Vorteil sieht man die Fähigkeit einer besseren selektiven Aufmerksamkeit an, d.h. die Fähigkeit das Wichtige von weniger Wichtigem zu unterschieden
Bei bilingualen Kindern ist die Fähigkeit, über die Art und Funktion der Sprache nachzudenken, mehr entwickelt. Bilinguale Menschen müssen nämlich ständig wählen, welche Sprache, wann und in Kommunikation mit wem gebraucht wird.
Eine der größten Vorteile der Zweisprachigkeit beruht darauf, dass schon ganz kleine Kinder sich bewusst werden, dass ein gleicher Gegenstand unterschiedlich benannt werden kann. Diese frühe Übung der Abstraktion kann eine Grundlage für mehr Flexibiltät und Offenheit bilingualer Personen sein.
Ein weiterer Bereich, in denen bilinguale Kinder besser abschneiden, ist das kreative Denken. Unaufhörlich müssen sie zwischen zwei Sprachen hin und herschalten, was zu einer größeren Flexibilität im Denken führt.
In unserem Kindergarten bemühen wir uns eine bilinguale Erziehung zu erzielen, indem das Kind die gleiche Zeit in Kontakt mit beiden Sprachen ist. Wenn ein Kind ablehnt, die eine Sprache zu benutzen, setzen wir das Kind nicht unter Druck, aber die Erzieherin hört nicht damit auf,  in ihrer Sprache mit dem Kind zu sprechen. In der Regel fängt das Kind nach einer Zeit an zu sprechen. Sehr wichtig ist es, dass das Kind sich nicht unter Druck gesetzt fühlt, welches die Einstellung zu der schwächeren Sprache mehr blockieren könnte.
Wissenschaftlich begleitet werden wir dabei von der Karlsuniversität Prag (Lehrstuhl für Psychologie), die seit September 2009 eine Studie in unserem Kindergarten zum Thema „Wie entwickeln sich mehrsprachig aufwachsende Kinder in einer bilingualen Kindertageseinrichtung“ durchführen.

Unsere Erkenntnisse und Informationen über Zweisprachigkeit beruhen auf  Beratungsgesprächen und Treffen mit Frau Prof. Lenka Šulová, von der psychologischen Fakultät der Karlsuniversität und Frau Dr. Lucie Scholl, einer Psychologin, die sich mit der Problematik zweisprachiger Kinder auseinandergesetzt hat.

 

siehe Konzept:  Zweisprachigkeit ()